Bezirkskrankenhaus Bayreuth

150 Jahre

Kreisirrenanstalt, Heil- und Pflegeanstalt, Nervenkrankenhaus, Bezirkskrankenhaus: Eine Klinik, viele Namen. Seit 150 Jahren besteht unsere Einrichtung am Standort Bayreuth bereits.
Das wollten wir 2020 eigentlich groß feiern - mit verschiedenen Veranstaltungen und Aktionen. Nun kam es anders:

Aufgrund der Corona-Krise sagen wir unser großes Jubiläumsfest, das für den 16. Mai 2020 geplant war, ab. Auch der Auftritt von Poetry-Slammer Tobi Katze, der für den Abend des 16. Mai 2020 geplant war, entfällt damit. Ob - und wenn ja wann - wir das Fest nachholen, geben wir rechtzeitig bekannt.

Das Bezirkskrankenhaus Bayreuth von A bis Z

Von ADHS bis Zwangsstörung

Für viele Bayreuther ist das Bezirkskrankenhaus Bayreuth kurz und bündig einfach nur die HuPf oder HuPflA – abgeleitet vom einstigen Begriff für die Klinik: Heil- und Pflegeanstalt. Mehr über die Klinik lesen Sie in unserem großen ABC:

A wie ADHS
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung – ein sperriges Wort. Besser bekannt ist es auch unter ADHS und meint eine der häufigsten kinderpsychiatrischen Störungen. Oft bleiben bei Personen mit ADHS im Kindes- oder Jugendalter die Symptome auch im Erwachsenenalter bestehen. Sie können sich nur schwer konzentrieren, sind einfach abzulenken und reagieren sehr impulsiv. Eine deutliche Hyperaktivität tritt nicht immer auf – daher ist ADHS vom Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ohne Überaktivität (ADS) zu unterscheiden.

B wie Borderline
Bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung bestehen Probleme, Gefühle zu steuern. Neben Anspannungszuständen kommen Gefühle der inneren Leere oder eine vollständig fehlende Gefühlswahrnehmung bis hin zu fehlendem Schmerzempfinden vor. Es kann auch zum Auftreten mehrerer, sich widersprechender Emotionen gleichzeitig kommen. In der Psychiatrischen Institutsambulanz am Bezirkskrankenhaus Bayreuth gibt es seit vergangenem Jahr eine Informationsgruppe Borderline.

C wie Care4future
In Zeiten des Fachkräftemangels buhlen alle um Nachwuchs. Auch in der Pflege. Um junge Menschen für eine Karriere zu gewinnen, hat sich das Bezirkskrankenhaus Bayreuth Care4future angeschlossen. Dahinter steckt eine Zusammenarbeit mit Schulen, deren Schüler die Arbeit in einem Pflegeberuf kennenlernen dürfen. Sie sind an Praxistagen am Bezirkskrankenhaus Bayreuth eingesetzt. Auch wenn Jugendliche nach diesem Kennenlernen keinen Pflegeberuf anstreben, so ist das Projekt doch ein Gewinn: Denn durch die Einblicke in ein psychiatrisches Krankenhaus werden auch viele Vorurteile abgebaut.

D wie Depression
Eine Depression im medizinischen Sinne ist etwas anderes als eine vorübergehende Phase der Niedergeschlagenheit und Unlust oder ein Stimmungstief, das bei fast jedem Menschen im Laufe des Lebens ein- oder mehrmals auftritt. Aus medizinisch-therapeutischer Sicht ist die Depression eine ernste Erkrankung, die das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen beeinflusst, mit Störungen von Körperfunktionen einhergeht und erhebliches Leiden verursacht. Hauptsymptome sind: Gedrückte Stimmung, Interessen- oder Freudlosigkeit, Antriebsmangel beziehungsweise erhöhte Ermüdbarkeit. Zusatzsymptome sind: Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit, negative und pessimistische Zukunftsperspektiven, Suizidgedanken/-handlungen, Schlafstörungen, verminderter Appetit.

E wie Enthospitalisierung
Heute werden im BKH stationär rund 550 Patienten behandelt. Zu Spitzenzeiten waren es früher dreimal so viele. Dass sich die Zahl so drastisch reduzierte ist der Enthospitalisierung in den 1970er und 80er Jahren zuzuschreiben. Reformen im Gesundheitswesen haben Langzeitaufenthalte in Krankenhäusern abgeschafft. Ambulante Wohnformen und eine Vielzahl anderer gemeindepsychiatrischer Angebote wurden eingeführt. Das Bezirkskrankenhaus arbeitet hier unter anderem eng mit dem Verein Kontakt zusammen, der sich um die Integration von psychisch kranken Menschen kümmert.

F wie Forensik
Die Klinik für Forensische Psychiatrie ist eine Maßregelvollzugseinrichtung. Die Unterbringung dort erfolgt im Falle von suchtmittelabhängigen Patienten zeitlich befristet, bei Patienten mit einer anderen psychiatrischen Grunderkrankung grundsätzlich unbefristet. Während der Therapie sollen die Patienten lernen, Verhaltensweisen in sozial angepasster Art und Weise zu kontrollieren und zu verändern. Zusammen mit dem Patienten wird versucht, eine Perspektive für das weitere Leben zu finden. Ziel der Behandlung im Maßregelvollzug ist es aber auch, den Anforderungen der Gesellschaft nach Sicherung und Schutz vor weiteren Straftaten gerecht zu werden.

G wie Gerontopsychiatrie
Gerontopsychiatrie ist ein eigenständiger Teilbereich der Psychiatrie. Sie jedoch nicht als eine einfache Extrapolation der „Erwachsenen"-Psychiatrie aufzufassen, sondern bietet vielmehr unter Bezug auf die Ergebnisse der Forschung der Gerontologie und der Geriatrie ihre eigenen präventiven, diagnostischen, therapeutischen und rehabilitativen Strategien an. Gerontopsychiatrie beschäftigt sich mit älteren Menschen und ihren psychischen Erkrankungen.

H wie Heilpädagogik
Im Psychiatrisch-Heilpädagogischen Bereich des Bezirkskrankenhauses Bayreuth werden geistig behinderte Menschen, die zudem an einer psychischen Erkrankung leiden, behandelt. Die Station verfügt aktuell über zwölf Betten für diese Menschen mit zum Teil hochkomplexen Störungsbildern, die älter als 18 Jahre alt sind und vor Klinikaufnahme entweder zuhause oder in einer entsprechenden Behinderteneinrichtung untergebracht sind. Ein Neubau dieser Abteilung, die auch über eine Tages-/Nachtklinik und einen spezialisierten Ambulanzbereich verfügt, ist genehmigt und wird auch zu einer Kapazitätserweiterung führen.

I wie Institutsambulanz
Hier behandeln, betreuen und begleiten wir in individuell erforderlichem Ausmaß Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen und anhaltenden seelischen Beeinträchtigungen, die einen Behandlungsansatz benötigen, in dem mehrere Berufsgruppen zusammenwirken. Die Psychiatrische Institutsambulanz im Diagnostikzentrum und Therapiezentrum am Bezirkskrankenhaus Bayreuth kann in Notsituationen jederzeit aufgesucht werden, und springt auch dann ein, wenn im Bereich der niedergelassenen Ärzte keine Möglichkeit der Behandlung besteht.

J wie Jubiläum
Die Psychiatrie in Bayreuth ist tatsächlich schon älter. Doch am jetzigen Standort des Bezirkskrankenhauses Bayreuth gibt es eine Klinik für Psychiatrie inzwischen seit 150 Jahren. Das erste Klinikgebäude steht noch – heute befindet sich darin die Verwaltung des Bezirks Oberfranken. Entworfen wurde der Bau von Architekt Wilhelm Frank, der zu seiner Zeit sehr gefragt war. Neu war damals, dass man die sogenannten Irren nicht nur verwahrte, sondern begann, sie zu behandeln. Die neue „Kreisirrenanstalt", wie die Psychiatrische Klinik damals hieß, war kaum gebaut, schon war sie überbelegt. Im Lauf der Jahrzehnte entstanden immer mehr Bauten auf dem Gelände.

K wie Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth wurde 1994 gegründet. Inzwischen platzt sie aus allen Nähten. Aufgrund des großen Bedarfs in Oberfranken wird die Kapazität nahezu verdoppelt. Damit hält die Kinder- und Jugendpsychiatrie und
-psychotherapie 60 Betten in der Klinik am Bezirkskrankenhaus vor. Um dem Bedarf schnell gerecht zu werden, wird noch in diesem Jahr ein Modulbau errichtet. Langfristig ist ein Neubau der Klinik geplant.

L wie Lern- und Leistungsstörungen
Im schulischen Bereich trotz guter Begabung erhebliche Schwierigkeiten zu entwickeln kann seine Ursachen im Lernverhalten oder in unentdeckten Teilleistungsstörungen (zum Beispiel Legasthenie, Dyskalkulie) haben. Nötig ist es dann, die Gesamtsituation des betroffenen Kindes zu erfassen. Dies erfordert Verhaltensbeobachtung, Einbeziehung von Vorbefunden und eigenen diagnostischen Ergebnissen sowie Eltern- und Lehrergespräche. Ein möglicher Anlaufpunkt für eine solche Klärung und die Entwicklung eines Therapiekonzeptes sind die Institutsambulanzen der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die sich an den Standorten Bayreuth, Bamberg, Hof und Coburg befinden.

M wie Murphy
Murphy ist mittlerweile ein richtig alter Hase – und das, obwohl er bellen kann. Murphy ist Therapiehund am Bezirkskrankenhaus Bayreuth. Seit mittlerweile vier Jahren besucht er zusammen mit seinem Frauchen, Ergotherapie-Leiterin Kristina Blum, verschiedene Stationen, um psychisch kranken Menschen zu helfen. Zwei Stunden pro Tag arbeitet der Mischlingshund mit im Team. Seine Bezahlung: jede Menge Streicheleinheiten.

N wie nachhaltige Bildungsarbeit
Die GeBO Akademie vereint nachhaltige Fort- und Weiterbildungsangebote der Bezirkskliniken in Oberfranken. Qualifizieren können sich hier Beschäftigte sowie externe Teilnehmer. Der Fokus liegt auf der Vermittlung berufsrelevanten Wissens, das auf die konkrete Situation der Kliniken und der dort arbeitenden Menschen zugeschnitten ist.

O wie Oligophrenie
Dieser Krankheitsbegriff ist nicht mehr ganz zeitgemäß und sollte besser durch „geistige Behinderung" oder „lntelligenzminderung" ersetzt werden. Im Gegensatz zur Demenz, die sich erst im späteren Leben entwickelt, versteht man hierunter einen entweder bereits angeborenen oder in frühester Kindheit erworbenen Intelligenzdefekt.

P wie Paragraph 63/64
Die beiden Paragraphen 63 und 64 des Strafgesetzbuches regeln die Unterbringung in der Klinik für Forensische Psychiatrie. Wer eine rechtswidrige Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit oder der verminderten Schuldunfähigkeit aufgrund einer psychiatrischen Grunderkrankung begangen hat, wird vom Gericht auf Grundlage des Paragrafen 63 Strafgesetzbuch in einem forensisch-psychiatrischen Krankenhaus anstatt in einer Justizvollzugsanstalt untergebracht. Wer eine rechtswidrige Tat im Rausch begeht beziehungsweise wenn die Tat auf den Hang zu Rauschmitteln zurückzuführen ist, der wird vom Gericht auf Grundlage des Paragrafen 64 Strafgesetzbuch in einer sogenannten Entziehungsanstalt – am Bezirkskrankenhaus Bayreuth Teil der Klinik für Forensische Psychiatrie – untergebracht.

Q wie Qual
Eine posttraumatische Belastungsstörung ist für die betroffenen Patienten eine Qual. Es gehen in der Regel ein oder mehrere belastende Ereignisse von außergewöhnlichem Ausmaß oder katastrophalem Umfang voraus (zum Beispiel Erleben von körperlicher Gewalt, Vergewaltigung, Kriegserlebnisse, Folter, Entführung). Betroffene haben anhaltende Erinnerungen an das traumatische Erlebnis oder erleben des Trauma in sich aufdrängenden Erinnerungen oder geraten in innere Bedrängnis in Situationen, die der Belastung ähneln oder damit in Zusammenhang stehen. Betroffene meiden daher (tatsächlich oder möglichst) Umstände, die der Belastung ähneln. Zudem entwickeln sie oft eine Reihe weiterer belastender Symptome. Häufig sind zudem sozialer Rückzug, ein Gefühl von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen sowie eine Beeinträchtigung der Stimmung.

R wie Rauchen
Häufig beginnt alles mit Zigaretten oder den ersten Joints. Scheinbar harmlos. Doch dann will und braucht man mehr. In vielen Fällen sind Cannabis und Alkohol die Einstiegsdrogen. Crystal Meth, Schmerzmittel, Heroin, sogenannte Kräutermischungen – die Liste der Substanzen, die danach oft folgen, ist lang.

S wie Sucht
Im Bereich der Suchtmedizin am Bezirkskrankenhaus Bayreuth behandeln wir alle Formen von Suchterkrankungen. Die Abteilung besteht aus drei Stationen – eine davon beschützend – sowie einem ambulanten Bereich mit aufsuchender Pflege und einer Substitutionsambulanz. Die stationäre Behandlungsdauer bei einer qualifizierten Entgiftung beträgt 21 Tage, bei anderen Abhängigkeitserkrankungen können längere Behandlungszeiten nötig sein.

T wie Tageskliniken
Damit psychisch erkrankte Patienten möglichst im gewohnten Umfeld bleiben können, bieten die Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken teilstationäre Therapieformen an. Am Bezirkskrankenhaus Bayreuth steht dafür eine Tagesklinik für Erwachsenenpsychiatrie mit 30 Plätzen sowie eine psychosomatische Tagesklinik mit acht Plätzen zur Verfügung. Außerdem gibt es eine Tagesklinik für Kinder mit acht und eine für Jugendliche mit sechs Plätzen. Die Behandlung erfolgt hier jeweils von Montag bis Freitag.

U wie Unterbringung
Nicht alle Patienten sind freiwillig in unserer Klinik. Unterbringung bedeutet in Deutschland die richterlich genehmigte Einweisung in eine geschlossene Abteilung einer psychiatrischen Klinik ohne oder gegen den Willen des Betroffenen. Voraussetzung hierfür ist das Vorliegen einer akuten Fremd- und/oder Eigengefährdung aufgrund einer psychiatrischen Erkrankung.

V wie Verhaltensstörung
Verhaltensstörungen wie aggressives und dissoziales Verhalten oder Leistungsverweigerung können bereits im frühkindlichen Alter auf eine spätere psychische Erkrankung hinweisen. Deshalb ist eine gezielte Therapie bereits im frühkindlichen Alter notwendig. Diese kann auch im teilstationären Umfang erfolgen.

W wie Wäscherei
In der „Alten Wäscherei" am Bezirkskrankenhaus Bayreuth wird längst keine Wäsche mehr gewaschen. Hier finden regelmäßig gut besuchte Veranstaltungen statt: Vorträge, Lesungen, Fortbildungen.

X wie X-Chromosom
Je älter die Menschen sind, desto höher steigt die Suizidrate. Dabei sind es viel öfters Männer, als Frauen – nämlich drei- bis fünfmal mehr. Die meisten erhängen sich.

Y wie Y-Chromosom
Dafür scheint das Y-Chromosom eine Information gespeichert zu haben, die eine Depression verhindert. Denn Frauen erkranken viel häufiger als Männer an einer Depression: Verhältnis 7 zu 3.

Z wie Zwangsstörung
Die Zwangsstörung oder Zwangserkrankung gehört zu den psychischen Störungen. Es besteht für erkrankte Personen ein innerer Zwang oder Drang, wieder und wieder bestimmte Dinge zu denken oder zu tun. Die Betroffenen wehren sich zwar meist gegen diesen auftretenden Drang und erleben ihn als unangenehm-quälend, übertrieben und sinnlos, können ihm willentlich jedoch meist nichts entgegensetzen. Die Störung bringt deutliche Beeinträchtigungen des Alltagslebens mit sich, insbesondere dann wenn es sich um ständig wiederkehrende Handlungsmuster handelt.

Da blüht uns was

In 150 Jahren ist das Bezirkrkankenhaus Bayreuth zu dem herangewachsen, was es heute ist: Ein Fachkrankenhaus, in dem Menschen mit psychiatrischen und psychosomatischen Erkrankungen aller Altersgruppen ambulant, teilstationär und stationär behandelt werden. 

Im Jubiläumsjahr 2020 soll die große Zahl "150" bereits von weitem sichtbar sein für Besucher, Angehörige, Patienten und Mitarbeiter. Deshalb bepflanzen unsere Mitarbeiter der Gärtnerei eifrig den Hang.

Die Pflege im Wandel

Verrückte Zeiten

Kreisirrenanstalt, Heil- und Pflegeanstalt, Nervenkrankenhaus, Bezirkskrankenhaus (BKH): Eine Klinik, viele Namen. Seit 150 Jahren besteht die Einrichtung am Standort Bayreuth bereits. Da hat sich einiges getan. Vor allem in der Pflege. Aus dem Nähkästchen plaudern Helene Neumann, Leiterin der Akademie der Gesundheitseinrichtungen des Bezirks, und Pflegedienstleiter Thilo Rosenkranz.


Größe: Während das BKH Bayreuth heute 550 bis 600 Betten beherbergt, waren es in den 1970er Jahren noch dreimal so viele, erzählt Helene Neumann, die 1977 an die Klinik kam, um ihre Pflegeausbildung zu absolvieren. Mit dieser Anzahl an Patienten musste das Personal erst mal zurechtkommen. „Satt, sicher, sauber war damals die oberste Maßgabe. Und ruhig", sagt Helene Neumann und schmunzelt. Damals sprach man auch noch ganz selbstverständlich von der „Anstalt". So genannte Saalpfleger beaufsichtigten alleine eine Gruppe von rund 20 Patienten.


Intimität: Einzelzimmer? Fehlanzeige. In riesigen Schlafsälen waren die Patienten untergebracht – so genannte Boxen mit jeweils sechs Betten lediglich durch halbhohe Wände mit Glasscheiben voneinander abgetrennt. Stationsbäder dienten dutzenden Patienten zum Waschen zu vorgegebenen Zeiten. Auch die Kleidung durften sich die Patienten nicht selbst aussuchen. Und das Frühstück? Das wurde, vor allem alten Patienten, vorher in die Kaffeetasse oder den Suppenteller eingebrockt.


Kontrolle: Aber nicht nur die Patienten unterlagen strengen Regeln. Auch das Pflegepersonal war eng an die Anstalt gebunden. Wer heiraten wollte, musste sich zuerst das Einverständnis des Chefs, des Pflegevorstands holen – zumindest bis zum Jahr 1956, weiß Thilo Rosenkranz aus Erzählungen seines Vaters, der ebenfalls schon in der Bayreuther Anstalt gearbeitet hatte. Bis in die 1930er Jahre hinein brauchten Pfleger, die auf dem Anstaltsgelände wohnten, sogar eine Ausgangserlaubnis.


Sexual-Achse: Männer und Frauen waren im damaligen Nervenkrankenhaus strikt voneinander getrennt, sagt Helene Neumann. Noch heute tragen manche Häuser auf dem Gelände die Kürzel M – für Männer – und F – für Frauen. Die 15- und 16-jährigen Pflegeschülerinnen gelangten über den so genannten Jungfernsteg vom Wohnheim im angrenzenden Hochhaus in die benachbarten Unterrichtsräume. Die Brücke verlief weit über das Gelände, so dass die Mädchen konsequent von den männlichen Patienten abgeschirmt waren.


Enthospitalisierung: Heute werden im BKH stationär nicht mehr 1500, sondern rund 550 Patienten behandelt. Dass sich die Zahl so drastisch reduzierte ist der Enthospitalisierung in den 1970er und 80er Jahren zuzuschreiben. Reformen im Gesundheitswesen haben Langzeitaufenthalte in Krankenhäusern abgeschafft. Ambulante Wohnformen wurden eingeführt. Helene Neumann gehörte 1979 zu den ersten, die Patienten in diese neuen ambulanten Wohnformen des Vereins Kontakt e.V. begleitet hat. Heute werden hunderte psychiatrische Patienten ambulant betreut.


Fachkräfte: Während man früher eine gängige Krankenpflege-Ausbildung absolvierte, gab es ab 1986 die Möglichkeit, sich zur Fachkrankenschwester beziehungsweise zum Fachkrankenpfleger für Psychiatrie weiterbilden zu lassen. Von den 520 Krankenpflegekräften im Bezirkskrankenhaus haben rund 60 die relativ neue zweijährige Zusatzausbildung zum Fachpfleger für Psychiatrie absolviert. Diese Fachpfleger tragen besondere Verantwortung und verdienen als Pflegekräfte am psychiatrischen Krankenhaus im Durchschnitt auch mehr Geld als ihre Kollegen im somatischen Bereich.

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