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Unterwegs mit Herz und Auge

„Mein Blick auf die Welt ist ein anderer“, sagt Marcel G. In vielerlei Hinsicht. Besonders aber beim Fotografieren – seine große Leidenschaft. Seit eineinhalb Jahren hat es den 40-Jährigen gepackt. Mit seiner Kompaktkamera zieht er los und sucht die Ecken, Augenblicke und Perspektiven, die gerade kein anderer sieht.

Raus kann Marcel G. allerdings nur, wenn er Freigang hat. Denn seit Ende 2021 ist der gelernte Koch aus der Sterneküche Patient in der Klinik für Forensische Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth. Seit er vier Jahre alt ist, plagt ihn ein schweres Trauma. Einen Ausweg suchte er später immer wieder im Alkohol. Bis er straffällig wurde und nun im Maßregelvollzug untergebracht ist.

„Das Fotografieren ist für mich eine kreative Art und Weise, einen Ausgleich zu schaffen und mich vom Trauma abzukapseln“, erklärt Marcel G. Ähnlich wie beim Kochen, seiner früheren Tätigkeit. „Meine Teller sind Erlebnisse.“ Doch die dekadente, oft verschwenderische Sterneküche war mit seinen Vorstellungen von „guter Küche für den normalen Bürger“ nicht mehr zu vereinbaren. Marcel G. machte sich selbstständig als Gastronomie-Berater, war europaweit unterwegs. Dann kam die Corona-Krise und mit ihr die fehlenden Aufträge. „Um das entstandene Loch zu füllen, habe ich mir die Kamera gekauft, mich damit vertraut gemacht und einfach drauf los geschossen.“

Schöne Momente festhalten

Erfüllt hat er sich damit einen unterbewusst lang gehegten Wunsch. „Seit seiner Zeit als Jugendlicher blieb ihm eine Szene im Gedächtnis: Ich bin ins Vereinsheim im benachbarten Dorf geradelt. Dabei musste ich eine Brücke überqueren. Es war Winter und die Eisdecke überzog das Wasser. Es war so ein schöner Moment. Den hätte ich gerne festgehalten“, schwärmt Marcel G.

Mittlerweile habe er viele schöne Dinge gesehen. „Das kompensiert das Schlechte in meinem Leben.“ Marcel G. spricht offen, gibt tiefe Einblicke, will Tabus brechen. „Ich bin kein Mensch, der wegläuft vor seinen Problemen. Ich möchte zeigen, dass man trotz einer Krankheit auch Stärken haben kann.

Seine Fotos sind oft verwinkelt, verspielt, aus der Norm. Oft fragt man sich: „Was ist das eigentlich?“ Man muss genau hinsehen. Dann erkennt man den Hauseingang, ein Geländer, Baumrinde, ein witziges Schattenspiel auf einem samtigen Drehstuhl, der unter einem Baum steht – bereit für die Sperrmüll-Abholung. Der 40-Jährige ist ein Naturmensch. Am liebsten ist ihm der Herbst. „Da geht bei Schmuddelwetter kaum jemand raus. Ich schon. Dann sehe ich die Dinge, die gerade keiner sehen kann. Und die konserviere ich.“

Info: Auch auf seiner Station in der Klinik ist Marcel G. kreativ tätig. Er bastelt ausgefallene Collagen oder verschönert mit bunten Klebebändern die Wände (Tape Art).