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Volkskrankheit Rheuma | Die Krankheit mit vielen Gesichtern

Immer am 12. Oktober erinnern sich die Menschen an ein Krankheitsbild, das viele Gesichter hat und gerne mit einem knappen Schlagwort versehen wird: Rheuma. Der Weltrheumatag rückt Erkrankungen in den Fokus, die sich desto besser behandeln lassen, je früher sie erkannt werden.

Wie die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie als zuständige Fachgesellschaft berichtet, lebt jeder vierte Mensch in Deutschland mit einer rheumatischen Erkrankung. Darunter zählen Krankheitsbilder wie rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew oder Fibromyalgie. Etwa 20.000 Kinder sind rheumakrank. Die Diagnose „Rheuma“ kann alle treffen, junge Menschen genauso wie alte und meistens begleitet sie Betroffene ein Leben lang. Wir sprachen mit Dr. Dirk Günthel, leitender Oberarzt der Fachklinik für internistische Rheumatologie am Bezirksklinikum Obermain in Kutzenberg.

Herr Dr. Günthel, was versteht man unter der Volkskrankheit „Rheuma“?

Dr. Günthel: Rheuma hat seinen altgriechischen Namen von dem fließenden Schmerz, der damit verbunden wird. Rheuma ist jedoch nichts weiter als ein Sammelbegriff, mit dem umgangssprachlich eine Vielzahl von Erkrankungen bedacht wird. Allein in Deutschland leiden 1,5 Millionen Menschen speziell unter entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Es sind Krankheitsbilder, die dem Betroffenen meistens starke Schmerzen machen. Circa 100 Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises gibt es. Betroffen sein können neben Gelenken, Knochen, Muskeln und Sehnen zum Beispiel auch innere Organe, die Augen oder die Gefäße. Ein Laie denkt dann oft nicht daran, dass es auch „Rheuma“ sein könnte.

Welches Krankheitsbild diagnostizieren sie am häufigsten?

Dr. Günthel: Das deckt sich mit dem, was auch bundesweit die Statistik hergibt. Mit weitem Abstand vorne liegt bei den Gelenken die rheumatoide Arthritis, bei der sich Gelenke dauerhaft, also chronisch entzünden.  Diese Form zeigt sich gerne auch an den Händen des Patienten, deren Gelenke sich dann oft sehr warm anfühlen. Es kommt neben Schmerzen zu Schwellungen und einer Einschränkung der Beweglichkeit. Eine frühzeitige Behandlung ist dabei Gold wert. Ansonsten können Gelenke sogar zerstört werden. Behandelbar ist rheumatoide Arthritis gut, heilbar leider nicht.

Wie kommt es überhaupt zu „Rheuma“?

Dr. Günthel: Was „Rheuma“ auslöst, kann wissenschaftlich noch nicht eindeutig bewiesen werden. Starker negativer Stress, fleisch- und fettreiche Ernährung aber auch das Tabakrauchen können die Erkrankung befeuern. Eine gesunde Lebensweise bringt präventiv sicherlich auch hier positive Effekte. Bei akuten rheumatischen Erkrankungen kann auch eine Infektion auslösender Faktor sein.

Wie wichtig sind Früherkennung und Aufklärung?

Dr. Günthel: Leider dauert es noch oft viel zu lange, bis ein Patient seinen Arzt aufsucht. Häufig vergehen viele wertvolle Monate und das Risiko für irreparable Schädigungen steigt. Besonders trügerisch und viele Rheumatiker kennen es: Ihr „Rheuma“ verläuft oft schubweise. Nach einer Krankheitsphase mit starken Schmerzen schließt sich gerne ein Zeitraum an, in dem es dem Betroffenen deutlich besser geht. Das kann beim Patienten falsche Hoffnungen wecken und natürlich auch sein soziales Umfeld irritieren, wenn Familienmitglieder oder Arbeitskollegen den Betroffenen in unterschiedlicher „Form“ erleben.

Wie ist Rheuma behandelbar?

Dr. Günthel: Ganz wichtig ist eine saubere Diagnostik. Die entzündliche Form des Rheumatismus muss von der nicht-entzündlichen Variante unterschieden werden. Das ist die Grundlage für spezifische Therapieverfahren. Den entzündlichen Rheumatismus wie bei rheumatoider Arthritis oder Morbus Bechterew behandelt man mit einer medikamentösen Dauertherapie, flankiert von Krankengymnastik, Ergotherapie, Bewegung und fallspezifisch mit Kälte oder Wärme. Bei der medikamentösen Therapie werden auch sogenannte „Biologicals“ eingesetzt, mit denen wir in Kutzenberg über viele Jahre gute Erfahrungen gemacht haben. Tabakrauch schadet im übrigen nicht nur der Lunge. Wer damit aufhört, tut damit auch seinem „Rheuma“ etwas Gutes. Die Ernährung sollte grundsätzlich eher fleischarm sein, dafür aber reich an Gemüse. Und sie sollte gesunde Fettsäuren aus hochwertigen Ölen enthalten.  Beinichtentzündlichem Rheumatismus (Weichteilrheuma) helfen Medikamente nur wenig oder gar nicht. Man sollte hier vor allem an Bewegung und Wärmetherapie denken. Weichteilrheuma zeigt sich durch Schmerzen in vielen Körperabschnitten und geht häufig mit Schlafstörungen und starker Erschöpfung einher.

 

Bildunterschrift:
Auch an den Händen können sich entzündlich-rheumatische Veränderungen manifestieren, erklärt Rheumatologe Dr. Dirk Günthel, leitender Oberarzt am Bezirksklinikum Obermain.