News

Hemmungslos und ungebremst

Datum:Montag, 04. November 2019
Standort:GeBO gesamt
Fachbereich:alle Bereiche
Rubrik:Veranstaltung

Wenn Leon spielt, redet oder rennt, tut er das alles ein bisschen lauter und extremer als andere Kinder. Seinen Bewegungsdrang kann er kaum zügeln, seinen Redeschwall hat er selten unter Kontrolle. Still sitzen und zuhören im Schulunterricht oder konzentrieren bei den Hausaufgaben fallen ihm besonders schwer. Doch Leon kann nicht anders. Der 13-Jährige hat eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung.

Die Diagnose bekamen der Junge und seine Eltern schon in der Grundschule: Hyperaktiv, impulsiv, unaufmerksam – spielen diese drei Attribute zusammen, kann man mit großer Wahrscheinlichkeit von ADHS sprechen. Leons Eltern sind überfordert, verunsichert, hilflos. Angst macht sich breit. Was nun?

Je früher, desto besser

„ADHS ist eine sehr gut behandelbare Störung", sagt Dr. med. Uwe-Jens Gerhard. Der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Bezirkskrankenhauses Bayreuth versucht, alle betroffenen Eltern zu beruhigen und ihnen die Angst zu nehmen. „Da gibt es ganz andere Krankheiten, die weitaus schicksalhafter sind." Er rät dringend, beim geringsten Verdacht oder auf Anraten der Schule, einen Kinderarzt aufzusuchen. „Je früher eine Diagnose gestellt wird, umso besser."

Darum ist es wichtig, darüber aufzuklären und Eltern sensibel zu machen für das Thema. Deshalb referiert Gerhard am Donnerstag, 7. November 2019, um 19.30 Uhr im Storchenhaus, Ludwigstraße 29, über „AD(H)S – Umgang und Behandlung bei hyperaktivem Verhalten".

Kind merkt es nicht

ADHS ist eine organisch bedingte Erkrankung des Gehirns, die genetisch weitergegeben wird. „Häufig sind auch die Geschwister betroffen", sagt Gerhard. Durch eine Veränderung im Gehirn, sind bestimmte Zentren gestört, so der Präfrontale Cortex, der für die Hemmungsfunktion zuständig ist. Das Kind hat diese Funktion nicht mehr unter Kontrolle, kann sie nicht selbst beeinflussen und führt alles ungehemmt aus. „Das Kind merkt das nicht mal. Es hat auch keine Schmerzen", sagt Gerhard. Lediglich durch das Umfeld bekommt es die Reaktionen zu spüren.

Die wirksamste Behandlung von ADHS läuft über geeignete Medikamente, sagt Gerhard. Damit lässt sich die Störung der betroffenen Hirnregion gut regulieren. Ab sechs Jahren bekommen Kinder mit ADHS die Präparate. „Im Vorschulbereich spielen Medikamente noch keine Rolle" sagt der Fachmann.

Kraft und Konzentration lassen nach

Die Erkrankung hat man sein Leben lang. Auch, wenn man mit steigendem Alter ruhiger wird. Die Hyperaktivität nimmt ab. „Die Konzentrationsstörung allerdings bleibt", sagt Gerhard. Besonders schwierig wird es für Betroffene dann, wenn die intellektuelle Performance in Schule und Studium immer mehr zunimmt. „Hier stoßen viele an ihre Grenzen, weil Kraft und Konzentration nachlassen. Sie können das Geforderte irgendwann nicht mehr leisten. Manche versuchen dann, sich selbst zu behandeln und rutschen in ein Suchtproblem", gibt Gerhard zu bedenken.

Umso wichtiger, frühzeitig wachsam zu sein und etwas dagegen zu tun.

 

Info:

„AD(H)S – Umgang und Behandlung bei hyperaktivem Verhalten"

Dr. med. Uwe-Jens Gerhard, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Bezirkskrankenhauses Bayreuth

Storchenhaus Bayreuth, Ludwigstraße 29

Donnerstag, 7. November 2019

19.30 Uhr

Dauer: etwa zwei Stunden

Andrea Franz Veranstaltung

Suchen