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Suizid - Weg mit den Tabus

Datum:Dienstag, 14. Januar 2020
Standort:GeBO gesamt
Fachbereich:alle Bereiche
Rubrik:Weiterbildung

Streifzüge durch ein Leben mit Depressionen und Todessehnsucht: Stefan Lange gibt tiefe Einblicke in seine Seele. Der 54-Jährige schien bereits verloren. Doch nachdem er seinen Suizidversuch überlebt, kämpft er sich zurück ins Leben. Das Schreiben und Darüber-Reden halfen ihm dabei. Seine biografische YouTube-Serie „Komm, lieber Tod" hat Millionen Klicks. Lange berichtet am Mittwoch, 22. Januar 2020, von 16 bis 18 Uhr in der Alten Wäscherei am Bezirkskrankenhaus Bayreuth zum Thema „Suizidalität und der Weg daraus" über seine Erfahrungen.

 

Was bringt einen Menschen dazu, sich umzubringen?
Stefan Lange: Die Gründe sind vielfältig und oft für Außenstehende nicht nachvollziehbar. Sowohl belastende Lebensumstände, emotionale Krisen oder auch psychische Erkrankungen können Gründe dafür sein, warum ein Mensch beschließt, seinem Leben ein Ende zu setzen.

Was geht in einem Menschen vor, dessen Suizidversuch scheiterte?
Stefan Lange: Das kann man nicht pauschal beantworten und ist typabhängig. Manch einer mag froh sein, überlebt zu haben. Oft stellt sich aber ein tiefes Frustgefühl ein, weil man bei dem Vorhaben versagt hat.

Was raten Sie Menschen, die sich den Tod wünschen?
Stefan Lange: Es ist leicht, Ratschläge zu geben, wie beispielsweise, dass man sich Hilfe suchen soll. Es herrscht in unserer Gesellschaft aber kein Klima, offen über das Thema Suizidalität zu sprechen. Nicht nur einem selbst fehlen die Worte, sondern viele können mit dem Thema gar nicht umgehen. Daher ist es zunächst einmal nicht einfach, sich Hilfe zu suchen bzw. jemanden zu finden, der mit dem Thema umgehen kann. Wichtig wäre es, mit einer Person zu sprechen, der man vertrauen kann. Suizidalität ist ein langer Weg und je früher man sich Hilfe sucht, desto einfacher wird es, den selbstzerstörerischen Weg zu verlassen.

Warum ist Suizid immer noch ein so tabubehaftetes Thema und was kann man dagegen tun?
Stefan Lange: Es fängt schon damit an, dass wir ständig vom „Tabuthema Suizid" sprechen. Warum manchen wir es nicht einfach zum Thema? Tabus beginnen im Kopf und äußern sich über unsere Sprache. Solange wir also vom „Tabuthema Suizid" sprechen, bleibt es auch ein Tabu. Ein weiterer Punkt ist, dass immer noch zu viele Fachexperten (Psychologen, Psychiater) über das Thema sprechen, also Menschen, die das Thema nur studiert aber persönlich nie erfahren haben. Betroffenen wird in Deutschland zu wenig Beachtung geschenkt, da sind uns Australien und die USA weit voraus. Dort werden Präventionsprogramme zusammen mit Betroffenen entwickelt. Wir müssen in Deutschland endlich von der ausschließlichen Fachexpertise wegkommen.

Welche Rolle spielen die Medien dabei?
Stefan Lange: Eine große. Denn die Medien wollen das Thema einfach nicht anfassen. Es sei denn, ein Promi hat sich das Leben genommen. Die Medien haben Angst vor dem sogenannten Werther- oder Nachahmer-Effekt. Medien haben aber die Aufgabe, Menschen und Meinungen zusammenzubringen und für einen Austausch zu sorgen, auch bei kontroversen oder schwierigen Themen. Das gilt auch für das Thema Suizid! Solange sich aber Medien weigern, das Thema offen und angemessen zu behandeln, tragen sie zu einer weiteren Tabuisierung bei.

Was kann man gegen die Tabuisierung tun?
Stefan Lange: Betroffenen Menschen mehr Gehör verschaffen und endlich das Totschlagargument „Werther-Effekt" überwinden!

Ihre drei Gründe, das Leben zu lieben?
Stefan Lange: Warum drei? Es reicht schon ein guter Grund aus!

Und der wäre?
Stefan Lange: Um Spuren zu hinterlassen.

 

Info:

Suizidalität und der Weg daraus – Erfahrungen eines Betroffenen: Die YouTube-Serie „Komm, lieber Tod"
Stefan Lange, Dipl.-Betriebswirt, Autor des Buches „Suicide" und der YouTube-Serie „Komm, lieber Tod"
Wann
Mittwoch, 22. Januar 2020
16 bis 18 Uhr
Wo
„Alte Wäscherei" am Bezirkskrankenhaus Bayreuth
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei

Andrea Franz Weiterbildung

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