Die Idee für TELE-JUST (JUST steht für Jugend-Sprach-Therapie und TELE für Telemedizin) entstand 2021, jetzt, Ende 2025 liegen die Ergebnisse vor. Und die sprechen, um im Bild zu bleiben, eine recht eindeutige Sprache.
Bereits seit den 1990er Jahren ist bekannt, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen auch die Sprache beeinträchtigen (können), sie wird zum Beispiel emotionsloser, der Patient macht leichter grammatikalische Fehler oder findet Worte nicht. „Ein super spannendes Feld für Linguistinnen“, so Dr. Theresa Strätz. Sie ist klinische Linguistin am Bezirkskrankenhaus Bayreuth und hat mit ihren Kolleginnen Bettina Hoffmann und Andrea Deitermann TELE-JUST ins Laufen und zum Abschluss gebracht. Ziel war, die Sprachfähigkeit von Jugendlichen mit einer psychischen Erkrankung zu verbessern. Das Ziel wurde erreicht.
Insgesamt waren 85 junge Menschen (mehr Mädchen als Jungs, durchschnittlich 15 Jahre alt) aus ganz Oberfranken in das Projekt eingebunden, 32 nahmen schließlich teil. Jeder von ihnen hat in Kleingruppen von drei bis vier Personen über einen Zeitraum von sechs Wochen dreimal wöchentlich an seiner Sprache gearbeitet. Die Therapie lief online, Tabletts wurden den Jugendlichen zur Verfügung gestellt. Ein ideales Medium, wie sich herausstellte, senkte es doch die Hemmschwelle, an einer solchen Therapiesitzung teilzunehmen. Und gerade in einer ländlich strukturierten Gegend erreiche man so auch eine breite Masse an jungen Menschen. Wichtig war den Linguistinnen auch, dass die Therapie in Gruppen stattfand. „Hier treten die Symptome vor allem auf“, so Hoffmann. Gerade in einer Gruppe hätten die Jugendlichen Probleme, das Wort zu ergreifen, entsprechend laut zu sprechen, allein schon im Gespräch zu sein sei oft schwierig, da Jugendliche mit Depression oder Angststörung solche Gesprächssituationen oft meiden würden. Vor den Bildschirmen ging es dann um Übungen zur Sprechweise (was ist eigentlich laut? Wann bin ich zu leise), ums Zuhören (nicht nur selbst zuhören, sondern auch fragen, wie möchte ich, dass mir zugehört wird), um sprachliche Grenzen und um Worte für Emotionen und emotionales Sprechen. Das Ergebnis überraschte die Linguistinnen selbst, so Strätz: „Wir haben eine signifikante in der Sprechlautstärke und zum Beispiel beim Wortabruf“, auch die Selbstsicherheit der jungen Patienten sei gestiegen und die Schwere der zugrundeliegenden psychischen Erkrankung habe aus Sicht der Jugendlichen sogar abgenommen. Mimik und Blickkontakt beim Sprechen habe sich auch verbessert. „Diese Verbesserungen sind auf kommunikativer und sprachlicher Ebene nachweisbar“, schließt Strätz das Projekt ab.
Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen und dem Institut für Phonetik und Sprachverarbeitung aus München.
Eine Fortsetzung von TELE-JUST wird es nicht geben, obwohl aufgrund der positiven Effekte diese Therapie ausgerollt werden müsste, so Professor Thomas Kallert, Leitender Ärztlicher Direktor der Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken in Richtung des Gesundheitsministeriums. Langfristig ist allerdings eine Integration in die ambulante Versorgung geplant. Und das innovative Therapiekonzept TELE-JUST findet aktuell als JUST in Präsenz statt. Im kommenden Jahr soll TELE-JUST über ein Fortbildungsformat an interessiertes Fachpersonal weitergegeben werden.

