„Wie geht`s Ihnen denn wirklich?“, „Ich habe den Eindruck, Sie belastet etwas.“
Es sind Sätze wie diese, mit denen Patrick Wolfram einen Gesprächsversuch startet. Ganz offen, simpel und niederschwellig formuliert. Angepasst an seine Patienten, die sich meist in psychischen Ausnahmesituationen befinden. Patrick Wolfram studiert im achten Semester am Medizincampus Oberfranken und fährt nebenbei im Rettungsdienst. Ein bis zwei Schichten übernimmt er pro Woche.
Oft schon war der 30-Jährige dabei, wenn Patienten ans Bezirkskrankenhaus Bayreuth gebracht wurden. Häufig in Begleitung der Polizei. „Wenn eine akute Eigen- oder Fremdgefährdung besteht zum Beispiel“, erklärt er. Die Anfahrten sind mitunter lang und herausfordernd, die passenden Worte zu finden nicht immer einfach. „Offene Einstiegsfragen öffnen oft ein Ventil beim Patienten. Er spürt: ,Es interessiert sich jemand für mich.‘ Meist sprudelt es dann nur so heraus.“ Sobald der Patient dann an die Klinik übergeben wurde, endet für Patrick Wolfram die Arbeit an diesem Fall. Ausgang ungewiss.
Umso spannender, nun auf der anderen Seite zu stehen. Denn aktuell absolviert er das im Medizinstudium vorgesehene psychiatrische Blockpraktikum am Bezirkskrankenhaus: drei Wochen Psychiatrie und drei Wochen Psychosomatik hautnah. Und die Erkenntnis, dass selbst der unruhigste aggressive Patient im Erregungszustand sich häufig sofort beruhigt, sobald er in der Klinik ist. Intensiv setzt er sich mit den Patienten, ihren Geschichten und Krankheitsbildern auseinander. „Viele denken, die Menschen sind hier eingesperrt. Aber die Patienten selbst empfinden es oft sehr angenehm, wenn das äußerliche Stress-Setting wegfällt. Vielen fehlt zu Hause ein Rückzugsort, den sie dringend bräuchten und hier bekommen“, erklärt der Medizinstudent.
Ob der gebürtige Österreicher Patrick Wolfram seinen Facharzt für Psychiatrie machen wird, steht noch in den Sternen. Vorstellen kann er sich vieles: Allgemeinmedizin, Innere, Neurologie, aber eben auch die Psychiatrie. Nebenbei promoviert er derzeit noch am Institut für medizinische Informatik in Erlangen. Digitale Gesundheitsanwendungen sind sein Steckenpferd. „Und die werden in Form von verschreibungspflichtigen Apps ja auch im Bereich der Psychiatrie immer interessanter.“

