News

Was Sex mit Drogen zu tun hat

Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit einem Trabbi eine Landstraße entlang. Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie fahren dieselbe Strecke mit einem Porsche. So etwa müsse man sich den Unterschied zwischen Sex und Chemsex vorstellen. Sex unter Drogen. Es geht um Sexualität an diesem Tag. Um sexuelle Orientierung und ein damit verbundenes, sensibles Arbeiten in der Therapie. Die Hochstadter Gespräche wurden in ihrer 23. Auflage intim.

Sexualisierter Substanzkonsum ist kein neues Phänomen. Die Frage nach einer Zigarette (Nikotin!)  hilft schon seit Jahrzehnten bei der Kontaktaufnahme, man bittet jemanden auf einen Kaffee (Koffein!) herein, nicht auf ein Mineralwasser – was ist also anders beim Chemsex? Sex unter Drogen sei, so Dr. Michael Plaß, Pädagoge im schwul-queeren Zentrum Sub in München, vor allem in schwulen Szenen verbreitet, insbesondere beim Sex zwischen Männern. Substanzen könnten dabei  helfen, länger und mehr und berauschender und grenzüberschreitender intim zu sein, häufig komme es sehr schnell zur Sache. Über spezielle Dating-Apps fänden sich Gleichgesinnte, Treffen fänden meist im privaten Raum statt, das Date werde oft zum Dealer. 

Die Folgen können gravierend sein: Sexualität und Konsum werden miteinander verknüpft, es wird häufiger und mehr konsumiert, es kann zu Überdosierungen, psychischen Erkrankungen und Gewalterfahrungen kommen. Wie Plaß erläutert, seien Männer, die Chemsex praktizieren, überdurchschnittlich gut gebildet, sie stehen im Erwerbsleben, sind häufig selbstständig und wüssten dennoch wenig über die einzelnen Substanzen und deren Risiken. Für Beratungsstellen und Therapeutinnen und Therapeuten ergebe sich daraus eine besondere Herausforderung: Es müssen sowohl substanzbezogene als auch sexualitätsbezogene Themen bearbeitet werden. Fachkräfte sollten über die Lebenswelten der Betroffenen informiert sein und ihnen wertfrei begegnen.  Plaß ist der Meinung, dass spezialisierte Angebote, vor allem in der Selbsthilfe, nötig seien.

Neue Angebote, ein sensiblerer Umgang mit der sexuellen Orientierung   -  das ist auch in den Augen von Lesedi Lauterbach vom queeren Zentrum Fliederlich nötig. Allein, so sagt sie, wenn ein queerer Mensch merke, dass sein Gegenüber versuche, ihn zu verstehen und mit den richtigen Pronomen anspreche, könne dies ein gutes Miteinander ermöglichen. Die Realität sehe häufig anders aus. Lesedi Lauterbachs Vortrag beleuchtete die besonderen Belastungsfaktoren, denen queere Menschen häufig ausgesetzt sind – darunter Diskriminierungserfahrungen, Ausgrenzung, psychische Belastungen und fehlende Akzeptanz im sozialen Umfeld. Thematisiert wurden zudem die Bedeutung geschützter Beratungsräume, ein sensibler Sprachgebrauch sowie die Frage, wie Hilfsangebote diversitätssensibel gestaltet werden können.

Vorträge über die Suchtstation für Jugendliche am Bezirkskrankenhaus Bayreuth und die neu eröffnete Tagesklinik für Abhängigkeitserkrankungen, ebenfalls am Bezirkskrankenhaus Bayreuth, rundeten die Hochstadter Gespräche in diesem Jahr ab. Darüber hinaus bot das Symposium Gelegenheit zum fachlichen Austausch. Zahlreiche Fachkräfte aus Beratung, Therapie, Sozialarbeit, Medizin und Prävention nutzten das Symposium, um über neue Erkenntnisse, Praxisansätze und Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren. 

Einen Teil der Vorträge finden Sie hier.