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Wie Bewegung der Seele hilft

Datum:Donnerstag, 27. Dezember 2018
Standort:Bezirkskrankenhaus Bayreuth
Fachbereich:alle Bereiche
Rubrik:Psychiatrie

Ist die Seele krank, ist häufig auch der Körper lahm gelegt. Vor allem Menschen, die unter schweren Depressionen leiden, haben keinerlei Antrieb mehr, kommen manchmal nicht mal mehr aus dem Bett. Der Kontakt zum eigenen Körper und zum Körperempfinden ist schwer beeinträchtigt oder sogar komplett abgeschnitten. Hier setzt die Körper-und bewegungsorientierte Therapie an.

Kindlich und unbeschwert

Neben den bekannteren Bewegungsangeboten wie Nordic Walking, unterschiedlichen Gymnastikformen oder Spielsportarten nutzen die Bewegungstherapeuten am Bezirkskrankenhaus Bayreuth auch individuell abgestimmte Methoden, um den Zugang zum Körper zu fördern.  Frank Orbach bietet zum Beispiel seinen Patienten Schaukeln für Erwachsene an. In der großen Sporthalle des Bezirkskrankenhauses Bayreuth hat er eine überdimensionale Schaukel aufgebaut. Größer, als die, die man von Kinderspielplätzen kennt. An Ringen, die von der Decke baumeln, ist sie befestigt. Dicke Weichbodenmatten liegen darunter. Langsam beginnt die Patientin, die zögerlich auf der Schaukel Platz genommen hat, zu schaukeln. Erst ganz vorsichtig. Dann immer höher, immer schwungvoller, immer weiter hinauf. „Durch die Schaukelbewegung finden gerade depressive Menschen oft in einen kindlich vergnügten, unbeschwerten Modus", erklärt Orbach.

Frank Orbach ist Leiter der körper- und bewegungsorientierten Therapie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth. Zu diesem Bereich gehören Physiotherapie, Massage und Sport- und Bewegungstherapie. Drei Komponenten, die zu einem ganzheitlichen Behandlungsangebot am Bezirkskrankenhaus Bayreuth gehören, erklärt Leitender Psychologe Kai Uffmann am Bezirkskrankenhaus Bayreuth. Zu dieser Behandlung gehören  Therapiegespräche, soweit nötig medikamentöse Therapie – aber eben nicht nur. Gerade depressive Menschen, die wenig Antrieb haben, sollen (auch körperlich) wieder aktiviert werden. „Das ist für die Patienten ganz wichtig", sagt Uffmann.

Regelmäßige Sitzungen des multiprofessionellen Teams

Wichtig ist zu sehen, was der einzelne Patient benötigte, so Psychologe Kai Uffmann. Sollen sie auf körperlichem Weg etwas lernen? Sind sie überhaupt schon bereit dafür, an der  Bewegungstherapie teilzunehmen? Regelmäßig finden daher im gesamten Team Besprechungen statt, die sich mit der Situation jedes einzelnen Patienten befassen und dessen bestmögliche Behandlung im Blick haben.

Die körper- und bewegungsorientierten Therapie läuft während der gesamten Behandlungsdauer am Bezirkskrankenhaus Bayreuth, im besten Fall werden die Patienten so motiviert, sich zu bewegen, dass sie es auch nach der Entlassung weiter tun, sich einem Verein anschließen oder etwa Nordic Walking, Yoga beibehalten, das sie hier kennen gelernt haben.

Ganz ohne Leistungsdruck

Bei den Sport- und Bewegungsangeboten am Bezirkskrankenhaus Bayreuth geht es nicht um Leistung, Druck oder Wettbewerb. Orbach wählt daher in Gruppen auch gerne Spielformen, die noch niemand kennt und mit denen somit keiner der Teilnehmer negative Vorerfahrungen verbindet. Alle in der Gruppe starten auf demselben Niveau. Das nimmt Leistungsdruck aus der Bewegung, der Spaß am Spiel und der Bewegung steht im Vordergrund.

Aktivierung, Erhalt- und Förderung der körperlichen Leistungsfähigkeit, Stressreduktion, körpernahes Erleben von Gefühlen oder Gemeinschaftserlebnis: Sport- und Bewegungstherapie kann in vielfältiger Weise positiv zur Behandlung psychischer Erkrankungen beitragen.

So kommt mit wenig Aufwand mehr Bewegung ins Leben – drei Tipps von Frank Orbach, Leiter der körper- und bewegungsorientierten Therapie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth:

  • Gähnen Sie herzhaft. Gähnen ist ein Impuls des Körpers, einen niedrigen Energiestand wieder nach oben zu bringen. „Gähnen bringt mich in einen Wach-Zustand", erklärt Orbach. Gähnen aktiviert den Körper.
  • Nehmen Sie im Stehen oder Sitzen die Arme nach oben und greifen sie in schneller Folge in die Luft. Das Herz- Kreislaufsystem wird sofort angeregt.
  • Wippen Sie. Stellen Sie sich fest auf den Boden und drücken Sie den Körper ganz leicht auf die Fußballen nach oben.

 

 

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