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Heile, heile Seele

Datum:Mittwoch, 09. Oktober 2019
Standort:GeBO gesamt
Fachbereich:alle Bereiche
Rubrik:Psychiatrie

Wie wichtig es ist, dass man sich gut fühlt, merkt man oft erst, wenn es mal nicht so ist. Wenn es unserer Seele nicht gut geht, sollten wir handeln und umdenken lernen – aus eigener Kraft heraus oder mit fremder Hilfe. Der Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober 2019 widmet sich genau diesem Thema. Dazu finden über mehrere Wochen Aktionen und Veranstaltungen statt, die über psychische Erkrankungen, ihre Prävention sowie neue Therapien und Behandlungsmöglichkeiten vor Ort aufklären wollen. Kai Uffmann ist Psychologischer Psychotherapeut am Bezirkskrankenhaus Bayreuth und leitet dort sowohl den Psychologischen Dienst der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik sowie die Abteilung Klinische Sozialpsychiatrie. Im Interview erklärt er, was der Seele gut tut und warum seelische Krankheiten immer noch so tabubehaftet sind.

 

Was kann man tun, damit es der Seele gut geht?

Kai Uffmann: Werteorientiert leben. Sich klar werden darüber, für welche Werte man einsteht. Welche sind mir wichtig? Für manche sind Freundschaften wichtig, andere legen Wert auf Familie, auf Nachhaltigkeit oder auch sich weiterzuentwickeln. Die Liste lässt sich beliebig erweitern. Und wie schaffe ich es, diesen Werten mit Zielen näherzukommen? Das bedeutet aber auch, in einen Prozess einzusteigen, in dem man bewusster mit sich umzugehen lernt. Dies kann bereits mit kleinen Achtsamkeitsübungen geschehen. Ein wichtiger Leitsatz kann auch sein: Dinge zu ändern, die veränderbar sind – Unveränderbares zu akzeptieren. Und diesen Unterschied zu erkennen lernen.

 

Was macht sie krank?

Uffmann: Sich selbst und seine Bedürfnisse und Grenzen nicht anzuerkennen. Auch die ständige Jagd nach dauerhaftem Glück, konstantem Wohlbefinden und der völligen Abwesenheit von unangenehmen Gedanken und Gefühlen führen letztlich immer zu Unzufriedenheit.

 

Woran erkennt man, ob man einfach mal eine Zeit lang schlecht drauf ist oder ob ein tiefer greifendes Problem besteht?

Uffmann: Hier ist als das wichtigste Kriterium die Zeit zu nennen. Eine beispielsweise dauerhaft gedrückte Stimmung (mindestens zwei Wochen über die meiste Zeit des Tages hinweg) kann auf mehr hinweisen, als nur auf normale Schwankungen des Befindens.  Auch der subjektive Leidensdruck spielt hier eine Rolle. Helfen kann auch der Vergleich des eigenen Verhaltens mit einer ähnlichen Situation in der Vergangenheit: Habe ich mich damals anders verhalten als jetzt?

 

Warum sind seelische Krankheiten so tabubehaftet?

Uffmann: Psychische Erkrankungen sind nicht sichtbar wie ein gebrochenes Bein.  Für etwas Komplexes oder nicht Greifbares wird häufig nach einfachen Erklärungen gesucht.  Da landet man schnell bei persönlichem Fehlverhalten des Betroffenen. Scham- und Schuldgefühle spielen dabei eine große Rolle.

 

Wie entgegnet man diesem Phänomen am besten?

Uffmann: Betroffene sollen sich über die Erkrankung bestmöglich informieren, auch mit ihren Angehörigen und Vertrauenspersonen. Mittlerweile gibt es viele Selbsthilfegruppen, Vereine und Initiativen, die Aufklärungsarbeit leisten und Unterstützung anbieten – für Betroffene und Angehörige. In Bayreuth zum Beispiel ist seit vielen Jahren die Initiative „Gemeinsam gegen Depression" aktiv – ein Zusammenschluss des Bezirkskrankenhauses Bayreuth und des Evangelischen Bildungswerks unter der Schirmherrschaft des Bezirkstagspräsidenten von Oberfranken.

 

Ihre Tipps für eine gesunde Seele?

Uffmann: Antonovsky, der Begründer der Salutogenese schrieb sinngemäß: „ Das Geheimnis der Gesundheit besteht darin, dass man sich die Welt auch in schwierigen Situationen erklären kann, dass man überzeugt ist die Anforderungen des Lebens durch eigene Kraft oder mit fremder Hilfe bewältigen zu können, und dass man die Auseinandersetzung mit diesen Lebensanforderungen als sinnvoll erlebt." Und: Bitte bewahren Sie sich eine gesunde Einstellung zum Humor!

 

Info:

Im Rahmen der 10. Hochfränkischen Wochen der Seelischen Gesundheit referiert Dr. Torsten Brückner, Chefarzt der Bezirksklinik Rehau und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Montag, 14. Oktober 2019, im Central-Kino in Hof über das Thema „Schlafstörungen". Hierbei liefert er Informationen zu Schlafphasen, Formen und Ursachen von Schlafstörungen sowie Behandlungsmöglichkeiten. Der Vortrag beginnt um 19.30 Uhr und ist kostenlos.

Das ganze Programm findet man online unter https://aktionswoche.seelischegesundheit.net/files/2017/uploads/bundesweite-woche/wdsg2018_folder_5ba0e38ed67c2.pdf

 

Andrea Franz Psychiatrie

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