Die Nähe zu Tschechien macht es – sogar Kindern schon –  leichter, ranzukommen: Crystal Meth, eine Droge die das Gehirn unwiderruflich zerstören kann, ist das Schreckgespenst vieler Eltern.

Wie kann ich meine Tochter, wie kann ich meinen Sohn vor dieser zerstörerischen Substanz schützen? Schon Jugendliche landen wegen Crystal Meth Konsum in Kliniken, zerstören mit dem Konsum dieser Droge ihre Gesundheit, ihre Nerven, ihr Gehirn, ihr Leben.

Doch auch wenn Crystal Meth eine große Gefahr ist, der Einstieg in eine Sucht im Jugendalter oder schon in der Kindheit, ist ein anderer, sagt Dr. med. Stephanie Steinmann. Sie ist Leitende Oberärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth. Und ihre Erfahrung ist: Einstiegssubstanzen sind bei Kindern und Jugendlichen meist Nikotin und Alkohol. Bei den Illegalen Drogen steht Cannabis  im Vordergrund. Knapp zwölf Jahre alt sind Kinder in Deutschland durchschnittlich, wenn sie das erste Mal zu einer Zigarette greifen.

Mit Beginn der Pubertät steigt die Risikofreude der Jugendlichen.

Wer dann noch im Elternhaus und bei Freunden erlebt, dass Zigaretten und Alkohol zum Leben gehören, hat damit oft schon den Grundstein für eine Sucht gelegt.

Laut einer amerikanischen Studie ist ein Viertel derjenigen, die schon als Jugendliche Kontakt zu Suchtmitteln hatten, später abhängig. Bei Jugendlichen ist das Gehirn noch nicht voll ausgebildet, sie tendieren von ihrer Entwicklung her schon zu risikoreichem Verhalten.

Aber nicht nur Nikotin, Alkohol und Drogen, auch viele Dinge, mit denen wir uns (täglich) beschäftigen, können süchtig machen. So beispielsweise der Umgang mit dem Handy, Computer spielen, Arbeit, Kaufen, Essen oder Glücksspiel. Auch dies oft zunächst keine körperlichen Schäden mit sich bringt, gibt es doch erhebliche Auswirkungen auf den betroffenen Menschen. Das Verhalten wird weiterhin aufrechterhalten, trotz schädlicher Folgen. Auch stoffungebundene Suchtmittel lösen im Gehirn einen rauschähnlichen Zustand aus und es kommt zu exzessivem Ausführen belohnender Verhaltensweisen,  die mit einem Kontrollverlust einhergehen.

Wer ist gefährdet?

Auslöser für Alkohol- oder Drogenkonsum können nicht bewältigte Krisen oder Traumata sein. Suchtgefährdet sind unter anderem Kinder, die wenig Anerkennung im Freundeskreis und innerhalb der  Familie haben  und über wenig Selbstvertrauen verfügen. Letztlich kann aber jeder davon betroffen sein.

Kinder suchtkranker Eltern sind besonders gefährdet, selbst abhängig zu werden oder eine eigene psychische Erkrankung zu entwickeln. Im Bezirkskrankenhaus Bayreuth wurde daher ein Arbeitskreis ins Leben gerufen, in dem Fachleute aus den unterschiedlichsten Bereichen miteinander diskutieren wie suchtkranken Familien geholfen werden kann, so Dr. med. Stephanie Steinmann.

Wie kann ich eine Sucht erkennen?

Leider gibt es keine Faustregel, mit deren Hilfe man erkennen kann, ob mein Kind schon süchtig ist. Durch Drogenkonsum kann sich beispielsweise der Umgang mit der Familie und Freunden ändern, schulische Leistungen können nachlassen. Ein weiterer Hinweis kann sein, wenn das Kind seine Hobbies Interessen plötzlich vernachlässigt oder sich Änderungen im Verhalten einstellen. Diese Anzeichen können auf den Konsum von Suchtmitteln hindeuten, aber all diese Anzeichen können auch ganz andere Ursachen haben. Zudem ist es bei Jugendlichen besonders schwierig, exzessives Probierverhalten von einem missbräuchlichen oder süchtigen Verhalten zu unterscheiden.

Deshalb ist es wichtig, mit Ihrem Kind im Gespräch zu bleiben und nicht in Panik zu verfallen. Sie können nicht verhindern, dass Ihr Kind mit Alkohol, Zigaretten oder eventuell auch mal mit Cannabis in Kontakt kommt. Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge. Wenn Ihr Kind einmal aus Neugier probiert hat, ist das noch keine Katastrophe. Normalerweise bleibt es auch dabei. Nur sehr wenige Jugendliche fangen an, regelmäßig zu kiffen. Bereiten Sie Ihr Kind frühzeitig darauf vor, dass es „Nein" dazu sagt, indem Sie es stärken.

Wenn Sie mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn über Alkohol, Drogen, die exzessive Mediennutzung oder andere Suchtmittel sprechen, sollten Sie unbedingt vorher wissen, worüber Sie sprechen. Dadurch fühlen Sie sich sicherer und die Chance, dass zwischen Ihnen und Ihrem Kind eine gute Vertrauensbasis entsteht, ist größer.

Wie kann ich mein Kind schützen?

Ein Patentrezept gegen Sucht gibt es nicht. Dennoch können Eltern einiges dafür tun, dass ihr Kind gesund bleibt. Dr. Stephanie Steinmann verweist auch hier auf die besondere Vorbildfunktion der Eltern. Wer selbst raucht und regelmäßig Alkohol trinkt hat es natürlich schwerer mit dem Sohn oder der Tochter wirkungsvoll über die Gefahren von Suchtmitteln zu sprechen.

Eine tragfähige und verlässliche Beziehung, die richtige Mischung zwischen Grenzen und Freiheiten, Fördern von sozialen Kontakten und individuellen Begabungen des Kindes und vieles mehr können vor Abhängigkeit schützen.

Natürlich läuft in Familien nicht immer alles rund –bei ernsten Krisen sollten sich Familien nicht scheuen und frühzeitig Hilfe holen. Der erste Ansprechpartner ist in vielen Fällen der Haus- oder Kinderarzt, der die Familien ja oft schon lange kennt und die betroffenen Familien zu  Spezialisten vermitteln kann.

Wichtig sei, den Kontakt zum Kind  aufrecht zu halten – auch wenn es Probleme gibt. Schaffen Sie in der Familie ein Klima, das es dem Kind ermöglicht, sich mit allen Problemen an Sie zu wenden.

Uli Sommerer Psychiatrie

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